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Inklusion macht
alle gleich?!

 

 


Wer darf mit wem lernen? Wer darf die Anderen wahrnehmen? Dürfen Jungen und Mädchen zusammenlernen? Dürfen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten  gemeinsam unterrichtet werden? Dürfen lernschwache und lernstarke Schülerinnen und Schüler in einem Klassenraum sitzen? Dürfen stärkere Schülerinnen und Schüler die schwächeren unterstützen? Müssen wir Rollstuhlrampen bauen? Müssen wir unseren Blick beschämt abwenden oder erst recht auf sie starren? Müssen Menschen gesondert in Wohnheimen leben? Müssen Schülerinnen und Schüler allein auf Ritalin reduziert werden?

Inklusion ist eine Fragestellung weit über das Klassenzimmer hinaus. Sie ist die revolutionärste gesellschafftliche Idee der letzten Jahrzehnte. Inklusion stellt unsere bisherige Form des Zusammenlebens komplett infrage. Wir, Ihr, Sie ist immer die Beschreibung einer Schattenwelt, einer anderen gesellschaftlichen Sphäre, in die man als Mitglied einer anderen Gruppe nur selten Einblick oder gar Kontakt hat. Als Mitglieder der größten gesellschaftlichen Gruppe: der vermeintlich "Normalen" - stecken wir andere ohne zu zögern in die verschiedensten Schubladen. Es sind die "Körper-Behinderten", die "Geistig-Behinderten" die "ADHS-Kinder", die "Verhaltensgestörten", die "sozial-emotional Gestörten", die "Lernschwachen". Diese Menschen haben für uns keine Bedürfnisse, sie sind ein Zustand. Ihre Andersartigkeit bestätigt uns darin, Mitglieder einer ominösen, grauen Masse namens Normalität zu sein. Doch auch unsere Schublade ist durch differenziert. Wir sind die "Arbeiter", die "Arbeitslosen", die "Gesellen", die "Meister", die "Yuppies", die "Hausfrauen", die "Engagierten", die "Nicht-Interessierten", die "Bauernschlauen", die "Akademiker", die "Singles mit Niveau". Das Einzige was wir nicht sind, sind Wir. Inklusion ist  revolutionär, weil es das Wir beim Wort nimmt, den Mensch als Individuum mit Bedürfnissen in einer allumfassenden gleichgestellten Gesellschafft begreift. Für eine funktionierende Umsetzung der Inklusion muss der Mensch neu begriffen und jede Form der Selektion verhindert werden. Damit stellt sich nicht die Frage Ob, da das Streben nach einer besseren Welt für uns allgegenwärtig ist, sondern die Frage nach dem Wie. In der Zukunft werden alle durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtscharta mit der Inklusion konfrontiert. Darum müssen Krippen, Kitas und Schulen die Hauptträger dieses Prozesses werden, insofern dass sie die zentralen Knotenpunkte der menschlichen Sozialisierung bilden und damit unabdinglich für die Errichtung einer inklusiven Gesellschaft sind.

Wie sollen also Kitas und Schulen neu gestaltet werden? Wie sollte  man Lehr- und Erziehungskräfte ausbilden? Wie viel Mittel bekommen Kitas und Schulen?

Wir dürfen Inklusion bei Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie bei Lehrerinnen und Lehrern nicht verspielen durch zögerliche Reformen und finanziellen Mittelvergaben. Pure Sozialromantik darf unseren Forderungen nicht vorwerfbar sein.

Ein inklusives Bildungssystem darf Lehrer nicht mehr belasten und muss jedes Kind individuell fördern können - und das von Anfang an. Doch der Traum scheitert an der Radikalität der Wirklichkeit. Projektschulen werden nur auf 4 Jahre geplant, ohne zu wissen, was danach kommt oder die Tatsache ignorierend, dass man 6 Jahre zur Grundschule geht. Nicht-Projektschulen haben schon heute inklusive Klassen, da Förderschulen keine Schüler mehr aufnehmen, ohne dafür vorbereitet oder ausgestattet zu sein. Sonderpädagogik ist erst seit 2013 wieder ein Studienfach in Potsdam. Bis heute gibt es kein Gemeinschaftschulsystem, in dem überhaupt ein gemeinsames Lernen möglich wäre. Wir fordern einen Neuanfang der Bildungspolitik. Dieses Land braucht Gemeinschaftsschulen mit gymniasialer Oberstufe, um jeden einen Aufstieg zu ermöglichen.

2 Lehrer in einem Klassenzimmer mit maximal 22 Schülerinnen und Schülern und Sonderpädagoginnen und -Pädagogen zur Unterstützung müssen zur Regel werden. Ein großes Team von Sozialpädagoginnen und -pädagogen wie auch ein/e Schulpsychologe/in müssen pro Schule bereitstehen. Der Betreuungsschlüssel bei Kitas und der Stundenschlüssel bei Lehrerinnen und Lehrern muss verringert und der Anteil an reinen Unterrichtsstunden gesenkt werden. Diese müssen  ersetzt werden durch Ganztagsschulangebote wie AGs, Bibliotheks-, Hausaufgaben- und Hofbetreung. Ein vernüftiges Studium und regelmäßige kostenlose Fortbildungen bilden das Fundament eines guten Lehrberufes. Musische und theaterpädagogische Betreung zur Erweiterung des Schulhorizontes muss an Bedeutung gewinnen. Eine Ganztagsschule, die auch nach dem Unterricht soziokultureller Treffpunkt junger Menschen sein kann, um das neue Bild des Miteinanders zu lehren, ist unerlässlich. Lassen Sie uns die Frustration der Lehrerinnen und Lehrer abbauen und ihnen ihren Idealismus zurückgeben. Lassen Sie uns Schülerinnen und Schüler in einer neuen Art des Miteinanders lernen.

 

 

Lassen Sie uns Inklusion wagen!