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Anfrage: Zustand der Wälder im Landkreis

Frau Bär (Fraktion DIE LINKE.) stellt mit Schreiben vom 20.09.2019 folgende Anfrage:

Sehr geehrter Herr Landrat,

in den vergangenen Monaten war der besorgniserregende Zustand der Wälder in Deutschland zunehmend Thema in Politik und Gesellschaft. Als Landkreis sind wir selbst Eigentümer von großen Waldflächen. Wie ist die Situation in unseren Wäldern? Gibt es inunseren Wäldern Anzeichen von Baumsterben und wie haben die letzten beiden Sommer unsere Wälder beeinflusst?

Mir ist klar, dass eine allumfassende, wissenschaftliche Beurteilung nicht vollständig möglich ist. Ich würde Sie dennoch um einen kurzen Situationsbericht zum nächsten Kreistag bitten.

Selbstverständlich gerne auch schriftlich.

Herr Hamelow, Dezernent für Bauen, Wirtschaft und Umwelt antwortete mit Schreiben vom 25.10.2019:

Sehr geehrte Frau Bär,

auf Ihre o. g. Anfrage kann ich Ihnen Folgendes mitteilen: Vorab muss festgestellt werden, dass zur Beurteilung der aktuellen Lage im Wald die Jahre 2017 bis 2019 herangezogen werden müssen, da die Eigenarten dieser letzten drei Jahre als außergewöhnlich zu beurteilen sind.

Das Jahr 2017 war ein durchgehend nasses Jahr mit sehr aufgeweichten Böden und hohen Grundwasserständen. Anfang Oktober gab es den Orkan "Xaver". Das Jahr 2018 und das noch laufende Jahr 2019 sind gezeichnet von großer Trockenheitund hohen Temperaturen. Die Gesamtlage des Waldes ist als stabil zu betrachten. Die naturräumlichen und klimatischen Voraussetzungen sorgen weiterhin dafür, dass der Wald nicht durch eine Steppenlandschaft abgelöst werden wird. Dies würde auch zuerst in den trockeneren Gebieten Brandenburgs, wie der Lausitz, erfolgen.

Zu den einzelnen Baumarten ist Folgendes anzumerken.

Die Kiefer hat erst am Ende dieses Sommers 2019 erste Anzeichen von Schwäche gezeigt. Üblicherweise wirft die Kiefer als Reaktion auf Trockenstress ihre Altnadeln ab. Das war bisher auch nur in Beständen mit hoher Individuenzahl zu beobachten, wo die Konkurrenz um vorhandenes Wasser besonders hoch ist. Diese Reaktion ist nicht ungewöhnlich und war auch schon zeitweise in den Vorjahren zu beobachten und lässt demzufolge bisher nicht aufein besonderes Problem schließen.

Die Eiche war durch den Orkan "Xaver" im Herbst 2017 mit am stärksten betroffen. Durchdas nasse Jahr waren die Böden aufgeweicht und der Halt der Wurzeln im Boden eingeschränkt. Die Bäume standen Anfang Oktober noch in vollem Laub und waren so einer sehr großen Windlast ausgesetzt, derer gerade die größten Bäume zum Opfer fielen. Trockenstresszeichen sind bisher nicht erkennbar gewesen.

Die Buche war, wie die Eiche vom Orkan "Xaver", aus denselben Gründen stark betroffen. Des Weiteren sind in diesem Spätsommer 2019 erste, starke Anzeichen von Trockenstress durch vorzeitige Laubverfärbung zu erkennen. In diesem Ausmaß waren solche Ereignisse noch nicht zu beobachten. Ob es in den nächsten Jahren nun zu Sekundärschädigungen durch Insekten kommt bleibt abzuwarten.

Die Fichte ist zurzeit das "Sorgenkind" im Wald. Im nassen Jahr 2017 sind viele Feinwurzeln bei der Fichte abgestorben, da sie keine Staunässe verträgt. Die beiden Folgejahre waren sehr trocken, so hat die Fichte besondere Probleme, sich mit Wasser zu versorgen. Die Harzbildung ist dadurch stark eingeschränkt. Die Folge ist die zu beobachtende Ausbreitung von Sekundärschädlingen, wie dem Borkenkäfer, der sich zurzeit als Hauptproblem der Bewirtschaftung herauskristallisiert. Eine angemessene Sanierung der Bestände steht nicht im Verhältnis zum Aufwand, obgleich die Fichte auch nur einen Anteil von 5,4 % im betroffenen Gebiet ausmacht.

Die Lärche war vom Orkan "Xaver" 2017 durch Windwurf überdurchschnittlich betroffen. Die Lärche gilt allgemein als sturmanfällig. In diesem Zusammenhang wurden die betroffenen Lärchenbestände durchforstet und die Stammzahl reduziert. Heute zeigt sich, dass die durchforsteten Bestände bisher stabiler wirken als die Undurchforsteten. Es entsteht der Eindruck, dass auch hier die Konkurrenz um das Wasser zu Mangelerscheinungen führt, die dann wiederum den Befall durch Sekundärschädlinge fördert. In Eichen-Lärchen-Mischbeständen scheint die Eiche die konkurrenzstärkere Baumart zu sein. Während die Lärchen absterben, zeigt die Eiche keine Anzeichen von Problemen. Eichenwurzeln können auch tiefer reichen als Flachwurzeln der Lärche.

Die an dieser Stelle nicht erwähnten Baumarten waren nicht auffällig oder kamen durch ihr geringes Vorkommen nicht in Betracht.

Wie in jedem Jahr wird der zuständige Fachdienstleiter auf der Sitzung des Ausschusses für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz im November zur Situation der Waldbestände des Landkreises Oberhavel berichten.

Mit freundlichen Grüßen

in Vertretung
Hamelow

 


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